Andacht


Ein Volk wird gerettet

Einem Menschen geht es vor allem gut, wenn er von anderen gnädig und würdig behandelt wird. Dasselbe gilt für ein Volk. Wenn ein Mensch oder ein Volk unter der Bedrückung, Herrschsucht oder Gier und Unbarmherzigkeit eines anderen leidet, trägt es seine Spuren von Verletzungen und Zerstörung davon. So lehrt es auch die Psychologie: Ein Kind entwickelt sich am besten, wenn es viel Liebe und Zuwendung erfährt. Es kann aufatmen, wenn es trotz eines Fehlers Freundlichkeit und Vergebung erfährt. Wenn das Kind einen Lebensraum bekommt und in einer guten Richtung gelehrt wird, wird es sich gesund entwickeln und seine Gaben entfalten.
In der christlichen Seelsorge ist es vor allem die Liebe Gottes, die die alten Wunden heilt. Ein Herauslösen aus den unguten Erfahrungen geschieht nie ohne diese beiden Prozesse: Vergebung empfangen und auch anderen vergeben.
In der im Alten Testament der Bibel aufgeschriebenen Geschichte des Volkes Israels gibt es eine ganz besondere Begebenheit: Josef war der direkte Nachkomme Abrahams, Isaaks und Jakobs. Seine Brüder hatten ihm sehr zugesetzt, sie wollten ihn aus Neid und Eifersucht aus ihrer Mitte entfernen. Als ihr Vater Jakob gestorben war, bangten sie nochmals darum, ob Josef sich an ihnen rächen würde, obwohl sie ja schon Josefs barmherziges Handeln mit ihnen während der Hungersnot erfahren hatten. Sie traten vor Josef und bekannten, dass sie übel an ihm gehandelt hatten, mit der Bitte um Vergebung. Josef ließ darauf hin den Ratschluss Gottes laut werden und begegnete ihnen freundlich und wohlwollend: "Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen. Gott wollte ein großes Volk erhalten." Tatsache war, dass Josef seinen Brüdern während der Hungersnot half und ihnen diente, als sie zu ihm nach Ägypten kamen, um Nahrung zu besorgen. Dort gab er sich ihnen zu erkennen, den sie verstoßen und für verschollen gehalten hatten. Inzwischen war er zu einem der mächtigsten Männer Ägyptens geworden. Durch Josefs Vergebung und Hilfe konnten seine Brüder mit ihren Familien in sieben Jahren Hungernot überleben. Und auch jetzt, nach dem Tod des Vaters, sprach Josef ihnen das Leben zu, und sie konnten sich weiter zu einem großen Volk entwickeln, weil Josef ihnen das Leben gewährte. Josef wurde so zum Retter des ganzen Volkes der Juden.
Das Erkennen und Bekennen von Schuld steht in engem Zusammenhang mit dem Segen Gottes und seiner Bewahrung. Dies trifft auf einzelne Menschen, aber auch auf ganze Völker zu. Im Hinblick auf die Vergebung und den daraus fließenden Segen kann Gott immer wieder als der Lebendige und Handelnde erfahren werden.



monatsgedanken
Impressum            Datenschutzerklärung